Der ESC-Abend eines ganz normalen Fans

Wie bringt ein Fan einen ESC-Abend eigentlich zu?
Einige wenige Fans des Eurovision Song Contests schaffen es Karten für das Finale zu ergattern und live dabei zu sein. Wieder andere gehen zur ESC-Party in der nächsten Großstadt
Der Durschnittsfan aber bleibt vermutlich zuhause und gibt eine gemütliche Privat-Party. Zu dieser Gruppe darf ich auch mich zählen.
Einfach nur zu viert saßen wir am Samstag vor dem Bildschirm. Der große Trubel auf den „Fanmeilen“ widerstrebt mir persönlich doch eher. Ich will meine Meinung zu jedem Auftritt los werden und das geht nur in kleinem Kreis.

Und deshalb halte ich das seit Begin meiner Fankarriere im Jahr 2004 beim Sieg von Ruslana so. Diesesmal habe ich meine Mutter, meine Schwester und meinen Cousin genötigt sich den 55. Song Contest anzusehen. Es sollte nicht zu ihrem Schaden sein.

Um 21:00 Uhr waren wir längst komplett und es konnte losgehen.
1 Jahr warten war vorbei, als die offizielle Eröffnungshymne des Eurovision Song Contests eingespielt wurde und das EBU-Logo über den Bildschirm flatterte.


Natürlich hatte ich mich schon in den Halbfinals auf Favoriten festgelegt, die ich auch lautstark verteidigte und ganz unabhängig von der Leistung natürlich großartig fand. Weil darum geht es mir: Nicht um Gesangsleistung, sondern um Unterhaltung. So fand auch der am Ende Letztplatzierte Beitrag aus dem United Kingdom meinen Gefallen.

Je näher im Laufe des Abends die Startnummer 22 näher rückte, umso mehr merkte ich, wie bei meinen Mitzusehern die Anspannung stieg. Nur ich war total gelassen, denn ich muss gestehen: Deutschland war zwar einer meiner Favoriten, aber keineswegs mein einziger.
Als jedoch der Auftritt vorbei war und das Esbenlaubzittern auf den Plätzen langsam zu Ende ging, war ich die erste, die vollmundig verkündete: „Leute, das wars. Der Sieger ist durch“

Ich hatte 6-7 Siegkandidaten bevor der Abend begann, doch nach Lenas Auftritt am Samstag Abend war für mich alles klar. Satellite war der mit Anstand beste Song des Abends und Meyer-Landruts Interpretation, die mit Abstand authentischste aller Songs.
Ich war also völlig entspannt und die Punktevergabe konnte meinetwegen munter losgehen.

Doch die hielt relativ schnell eine böse Überraschung bereit. Nach 2 abstimmenden Ländern hatte Deutschland lediglich 10 Punkte und Dänemark die maximale Ausbeute von 24(!!).
Meine grundmanifeste Überzeugung zu einem deutschen Sieg geriet nun doch nochmal deutlich ins Wanken, die Sicherheit von eben war plötzlich gar nicht so da.
Sie kehrte erst zurück, als Lena und Germany nach ca. 5 abstimmenden Ländern, die Führung übernahm. Zwar noch ohne einmal „twelve Points“, aber was solls. Dafür wurden die ersten 12 Punkte dafür umso lautstärker von uns gefeiert
Relativ schnell wuchs und wuchs der Vorsprung anschließend. Sobald die 100 Punkte erreicht hat, erlangte man zwar ein Zwischentief, in der der Punkteanwuchs nur noch schleppend ging. Aber auch das war uns egal, wenn Deutschland auch nur einen einzigen Punkt aus einem Land erhielt, stand ich auf dem Tisch und hab gejubelt und gefeiert, als wären es deren 12 gewesen.

Meine Mama, der das alles natürlich zu spannend war und die Zeit lieber im Garten verbracht und ab und zu durchs Fenster hereinblinzelte wusste zu berichten: „Also die ganze Straße feiert und jubelt. Aber ihr seids die lautesten von allen“
Tja, man gewinnt ja nicht jeden Tag den Eurovision Song Contest 😀

Als ca. 28 Länder abgestimmt hatten war die Sache für mich gelaufen, ich war mir des Sieges so sicher, dass ich mich auf andere Baustellen konzentrieren konnte. Ich wollte Weißrussland vom letzten Platz bekommen, da mir der Song sehr gut gefiel und die Ukraine, die zu meinen 3 persönlichen Favoriten (Deutschland, Ukraine, Georgien) zählte, in die Top 10 bringen.
Beides ist mir unter großer emotionaler und vor allem stimmlicher Anstrengung gelungen.
Ein Abend an dem mir alles aufging.

Das absolute Highlight jedoch begab sich erst nach dem eigentlichen Hauptteil der Show, in den letzten Sekunden. Nach ihrem neuerlichen Auftritt als Siegerin, nach der Übergabe der Trophäe, war unsere „lovely Lena“ etwas überfordert mit der ganzen Situation und fing an auf der Bühne munter vor sich zu plauschen, denn: „Ich weiß jetzt auch nicht, wo ich jetzt hin muss, also quatsch ich einfach noch ein bisschen“
Das war die Krönung auf einen wundervollen Abend. Sie hat zurecht gewonnen, mit einer tollen Perfomance, mit einem geilen Song und vor allem mit ihrer unbedarften liebenswerten Art.

Für mich endete der Abend weniger spektakulär. Kaum erklang die Abschlussmusik, erklang in meinem Körper die Müdigkeit. Das 3-Stunden-Non-Stop-Rumgerenne im Wohnzimmer, das Geschrei und Gejubel, die Hitze, die dadurch entstand brach sich nun Bahn und ließ mich gegen 0:50 Uhr wie ein Stein in mein weiches flauschiges Bett fallen.
Total fertig, aber überglücklich über einen an Spaß wohl schwerlich nur zu überbietenden Abend.

In diesem Sinne: Machen wir 2011 da weiter, wo wir 2010 aufgehört haben!

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~ von escgermany - 1. Juni 2010.

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