Für und Wider des Jury-Votes

Zum letztjährigen Eurovision Song Contest wurde erstmals das Abstimmungsmodell umgebaut. Seither entscheiden wir Zuschauer nur noch über 50% der Punktevergabe, es wird uns eine Jury zur Seite gestellt, die für die anderen 50% verantwortlich zeichnet.
Eine nicht unumstrittene Entscheidung, die Svante Stockselius durchgesetzt hat. Doch stellt das neue kombinierte Voting jetzt einen Gewinn oder einen Verlust für die Veranstaltung dar? Eine Frage die ambivalent angegangen werden sollte.

Svante Stockselius, Supervisor der European Broadcasting Union (EBU)

Svante Stockselius, Supervisor der European Broadcasting Union (EBU)

Gewinn
Befürworter des Votings führen an, dass seit Einführung des neuen kombinierten Votings auch wieder westeuropäische Länder eine Chance haben, die ehrlicherweise in den letzten Jahren vor 2009 nicht mehr wirklich gegeben war. Den Erfolg sieht man deutlich an den letzten beiden Siegern des Eurovision Song Contest. Norwegen und Deutschland.
Ferner ist der Song Contest ein Wettbewerb indem es sich per se um Lieder und weniger um Showeinlagen mit TamTam drehen sollte. Und auch diesem Umstand trägt die Jury Rechnung, da bei dieser vordergründig musikalische Gesichtspunkt für die Bewertung eine Rolle spielen sollten. Sie muss schließlich aus Experten der Musikszene zusammengesetzt werden.
Vorrangig sollte auch dem Diaspora-Voting damit Einhalt geboten werden. Und auch das ist in Teilen gelungen. Vor allem profitiert hatte hiervon in den letzten Jahren immer Russland, das dieses Jahr bei seinen Nachbarn oftmals fast leer ausgegangen war. Gerechtfertigterweise, gefördert (vielleicht) durch die Einführung der Jury.
Die Punktevergabe zwischen Ländern im Osten und Ländern im Westen differiert bei Weitem nicht mehr so stark wie früher. Das kombinierte Voting scheint seine Zielsetzung also tatsächlich umzusetzen. Ein ganz klarer Plus-Punkt für die Idee.

Auf der anderen Seite steht aber die Frage, ob die Zielsetzung, die dem Juryentscheid zugrunde lag, die richtige war.
Niemand stellt anhand der klar nachmessbaren Ergebnisse wohl ihren Erfolg ernsthaft in Zweifel.

Verlust
Damit kommen wir zu den Verlusten, die das neue Voting mit sich bringt.
Zuallervorderst liegt aus meinen Augen ein Problem in der Motivation der Zuseher. Entscheidet man sich für ein Land anzurufen konnte man sich bisher bereits sicher sein, dass die einzelne Stimme kaum etwas bewegt, in der Masse mehr oder weniger untergeht. Wie man es natürlich auch aus Casting-Shows kennt. Aber durch die zusätzliche „Abwertung“ auf 50%-Wert ist zumindest bei mir die Motivation mich an der Abstimmung zu beteiligen noch weiter gesunken.
Der ESC hat sich mit der Zeit entwickelt und auch durch die Ausrichtung auf das Publikum vor den Bildschirmen durch die damalige Einführung des Televotings sein Überleben gesichert.
Was damals als große Errungenschaft gefeiert wurde, wird nun wieder stückweise zurückgenommen, es ist ein – wenn auch kleiner – Schritt weg von den Zusehern, mehr hin zu Qualität. Ein Fakt den man freilich ambivalent beurteilen kann.
Ich persönlich hatte stets Gefallen an Auftritten wie denen Verka Serduchkas, die der puren Unterhaltung des Publikums dienten.

Abschlussrechnung

Insgesamt bleibt aber dennoch festzuhalten, dass die Jury die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt hat. Sie hat durch ihre bloße Einführung – weniger durch ihren Einfluss auf die Ergebnis, denn ich bezweifle, dass die Ergebnis von Jury und Publikum in den letzten beiden Jahren stark differiert hätten – das Eis gebrochen, die Barriere niedergerissen, die zwischen dem „neuen“ Europa und dem „alten“ Europa bestand.
Und allein deshalb ist das Experiment in meinen Augen gelungen und eine Bereicherung für das Konzept des Eurovision Song Contest!

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~ von escgermany - 2. Juni 2010.

Eine Antwort to “Für und Wider des Jury-Votes”

  1. […] Da zeigt sich einmal wieder mehr das für und wider des Juryvotings! […]

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