Eurovision Song Contest – Ein Komponistenwettbewerb?

Jedes Jahr mehr und mehr stellt sich mir die Frage, inwiefern der ESC noch seiner ursprünglichen Intention entspricht. Nämlich der Intention die Komposition eines Songs in den Vordergrund zu stellen und zu honorieren.

Die Siegertrophäe, die auf der Bühne überreicht wird, geht zwar schlussendlich in den Besitz des Song-Komponisten über, aber dieser steht oftmals überhaupt nicht mit auf der Bühne.
Gefeiert wird nicht das Lied, oder die kreativen Köpfe dahinter, gefeiert wird die Nationalität und vor allem der siegreiche Interpret.
Denn längst geht es mehr um diese und um ihre inszenierte Show, als um den eigentlichen Titel, der dargeboten wird.

Man braucht nur einen Blick in die letzten Jahre zu werfen und einige Songs mit vorderen Platzierung heraussuchen.
Es begann mit Ruslana im Jahr 2004. Wild Dancers, ein Song der mehr auf Show ausgelegt war und wohl nicht die beste Komposition an diesem Abend darstellte.
Das in meinen Augen beste Beispiel ist aber der zweite Platz der Ukraine im Jahr 2007 durch Verka Serduchka und “Dancing Lasha Tumbai”.
Zweifelsohne ein lustiger Song, für den ich auch damals ein paar Anrufe springen ließ, komponistisch aber alles andere als eine große Leistung.

Dieses Jahr wurde dann wiederum der Beitrag von Schweden, Anna BergendahlsThis is my life” als komponistische Meisterleistung im Vorfeld gelobt.
Ohne Show und große performancetechnischen Ideen trug sie im Semifinale ihren Song vor. Und was gab es dafür? Den verdienten Rauswurf noch im Halbfinale!

Die Performance ist ein integraler Bestandteil des Eurovision Song Contest geworden und das ist auch gut so. Der normale Zuseher, welcher die große Masse ausmacht, will unterhalten werden. Auch ich zähle mich zu dieser Gruppe.

Die Komposition tritt in den letzten Jahren immer weiter in den Hintergrund. Die Komponistin des Songs “Satellite” Julie Frost, verdeutlichte es nochmal.
Bis man ihren Song für den Eurovision Song Contest melden wollte, hatte sie noch nie in ihrem Leben etwas von dieser Veranstaltung gehört. Zugegeben, sie ist US-Amerikanerin und somit außerhalb des Publikums, aber dennoch ist es ein Fingerzeig, dass der Song Contest nicht mehr das Sprungbrett für Komponisten ist, das er einst sein sollte.

Es ist aber nun doch nicht so, dass der Song gar keine Rolle spielt. Das sieht man daran, dass 2007, 2009 und 2010 jeweils der beste Song im Wettbewerb, der jeweils ohne viel TamTam dargeboten wurden, auch den Sieg geholt hat. Molitva”, “Fairytale” und auch “Satellite” waren allesamt gut komponierte Songs. Nach wie vor ist ein guter Song Grundvoraussetzung für einen Erfolg beim Eurovision Song Contest, jedoch spielen zunehmend die angeführten weiteren Faktoren eine Rolle. Allem voran die Darbietung durch den Interpreten.

Insgesamt lässt sich das Problem auf eine Frage zuspitzen: Wer kennt denn eigentlich die Komponisten hinter den teilnehmenden Songs?
Jeder kennt den Interpreten, aber kaum einer die Songtexter und Composer.
In unserer heutigen Gesellschaft profitiert hauptsächlich der singende Künstler vom Song Contest: Sein Song wird europaweit schlagartig berühmt und bekannt, seine Popularität ist in den Wochen, manchmal Monaten danach unglaublich hoch, Zentrum des Medieninteresses. Viele Sieger bleiben auch jahrelang im Gedächtnis. Der ESC ist zu einem Sprungbrett für junge Sänger geworden, weniger für Komponisten.

Denn was bleibt letzteren denn nach der Veranstaltung von ihrem Sieg?
Ruhm und Ehre vielleicht.
Und die genannte Trophäe.

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~ von escgermany - 7. Juni 2010.

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